
Gutenachtgeschichten
Die Geschichte von Dreamscape Collison findet zwischen Traum und Realität statt. Taucht ein und schaut was es zu entdecken gibt.
Die Zeit der schlaflosen Nächte
Es fing damit an, dass immer mehr Menschen unter Schlaflosigkeit litten. Zunächst wurden gewöhnliche Erklärungen dafür gesucht. Ernährung, Koffeinkonsum, Bildschirmzeit…. Alles, was zu einer Verschlechterung des Schlafs führen kann. Niemand sprach über die Träume, keiner wollte als sonderbar gelten. Doch nach und nach entwickelte sich eine richtige Epidemie der Schlaflosigkeit und die Leute fingen an über die Träume zu sprechen.
Zunächst stellte man fest, dass viele Leute das Gefühl bekamen, dass ihre Träume nicht mehr ihnen selbst gehörten. Als würden Sie in die Träume anderer Menschen eindringen, oder andere Menschen ihn ihre Träume eindringen. Vielleicht war beides richtig? Nach einiger Zeit lernten die Leute, dass Sie ihren Traum wahren und somit ihren Schlaf verbessern konnten, wenn Sie dafür sorgten, dass dieser fremde Traum beendet wurde. Das Phänomen wurde bald Kollision der Traumlandschaften genannt und die Menschen fingen an Strategien zu entwickeln, um ihre Träume zu bewahren. Doch warum diese Kollision stattfanden war den Menschen nicht bewusst.
Das Dreamscape Exploration and Exploitation Project (DEEP)
Einer kleinen Gruppe von Personen war sehr wohl bewusst, wer für das Phänomen der Kollision der Traumlandschaften verantwortlich war, die Wissenschaftler des Dreamscape Exploration and Exploitation Projekts. Ein internationales Team aus Schlafwissenschaftlern, welche eine Methode gefunden hatten in die Träume anderer Personen einzutauchen. Ursprünglich sollte das von einer privaten Militärorganisation finanzierte Projekt dazu dienen einen neuen Weg der Spionage zu ergründen, doch was die Wissenschaftler fanden, ging weit über das hinaus, was sie sich vorstellen konnten.
Der Nachtvater
Der Legende nach ist der Nachtvater ein uraltes Wesen und entstand aus den Ängsten der ersten Träumer. Er nährt sich von den Emotionen Angst und Verzweiflung und nutzt die Macht der Albträume zu seinen Gunsten.
Lange Zeit hat niemand etwas vom Nachtvater gehört und er soll gut genährt durch die Albträume schlimmerer Zeiten im Schlummer gelegen haben. Doch die Experimente, welche das Traumreich in Unruhe bringen, haben ihn aus seinem Schlaf geweckt.
Haltet euch fern vom Nachtvater, denn er ist ein mächtiger Gegner.
Kapitel I
Irgendwo in Europa
Vier Stunden... das war die Zeit, die Michael diese Nacht geschlafen hat. Dunkle Ringe unter seinen Augen zeugten davon, dass es nicht die erste Nacht war in welcher er zu wenig Schlaf bekommen hat. Wer in dieser Nacht wohl der Andere gewesen ist? Letzte Nacht war es ein Mädchen. Ihr Traum war stark und er hat keine zwei Stunden geschlafen. Er kannte diese Mensche nicht und er konnte es ihnen nicht verübeln, dass sie ihn um seinen Schlaf gebracht hatten. In vielen Nächten zuvor hat er andere geweckt. Er saß eine Weile an der Bettkannte und überlegte, ob er erneut versuchen sollte zu schlafen. Aber er wusste, dass dies nicht gelingen würde. Nachdem er aus seinen Träumen erwachte, konnte er nie sofort wieder einschlafen. Anderen schien es ähnlich zu gehen. Als ob der Weg in das Reich des Schlummers danach eine Zeit verwährt wäre. Er dachte kurz darüber nach, war aber zu müde um einen klaren Gedanken zu fassen.Frische Luft, er brauchte jetzt frische Luft. Ein kurzer Blick auf sein Smartphone verriet ihm, dass es erst 04:30 Uhr war. Er wusste, dass er zu spät zu Bett gegangen ist, aber was sollte es auch nützen? Er wusste nie, was ihn in der Nacht erwarten würde. Fast jede Nacht kollidierte sein Traum inzwischen mit dem eines anderen Menschen. Mit trägen Bewegungen zog er eine Jeans und einen Pullover an. Als er die Haustür hinter sich schloss und die kalte Luft des neuen Morgens einatmete, schienen ihm die ersten Sonnenstrahlen ins Gesicht. Zum Glück war heute Sonntag und er musste nicht zur Uni. Wenigstens etwas dachte er und ging los.
Zeitgleich an einem unbekannten Ort
37 Minuten.... 1 Stunde 17 Minuten... 56 Minuten....
Dr. Nora Bergisch schaute auf die Auswertung der Daten auf ihrem Bildschirm und machte sich einige Notizen auf dem Tablet auf ihrem Schreibtisch. Seufzend lehnte Sie sich in ihrem Bürostuhl zurück und rieb sich die müden Augen. Ein ungutes Gefühl machte sich in ihrem Magen breit als Sie auf die Uhr auf ihrem Bildschirm schaute und bemerkte, dass in einer halben Stunde das Treffen mit dem Vorstand begann. Sie werden ganz und gar nicht zufrieden sein, wenn sie erfahren, dass der Zeitraum der Exploration sich im vergangenen Monat kaum erhöht hat. Nervös kaute Sie auf ihren Nägeln als Sie erneut die Daten durchging und erschrak, als Sie hinter sich ein Geräusch hörte.
“Belias! Schleich dich doch nicht so an.”
“Hab ich nicht, du warst nur mal wieder vollkommen in deine Arbeit versunken.” sagte der hochgewachsene Mann mit dem zerzausten Haar und dem Stoppelbart.
“Du weißt doch, dass gleich das Meeting ansteht. Die Ergebnisse sind katastrophal. Lukas ist schon nach 37 Minuten rausgeflogen und....”
“Ruven ist noch immer drinn.” unterbrach Belias Sie.
“Was? Ich dachte Ruven wäre schon gegangen! Seit wann...?”
“4 Stunden und...” Belias wirft einen kurzen Blick auf die Uhr an seinem Handgelenk. “...43 Minuten.”
Dr. Bergisch schüttelt den Kopf. “Das kann nicht sein. Das würde bedeuten...” “Er hat Delias Rekord um fast 2 Stunden übertroffen.” beendete er ihren Satz. Ein leichtes Lächeln erschien auf ihrem Gesicht.
Zeitgleich in einer anderen Realität
So schnell er konnte lief er die Straße entlang. Wenn er doch nur eine Tür dabei hätte. Hastig wühlte er beim Rennen in den Taschen seines Mantels. Es waren sehr viele Taschen. Eigentlich zuviele für diesen Mantel und auch sonst sah die rennende Gestalt recht sonderbar aus. Ein großer Hut auf dem Kopf, ein gar riesenhafter Rucksack auf dem Rücken und ein knorriger Wanderstock in der Hand. Sebald scherte sich scheinbar nicht um sein Aussehen, fiel in der Landschaft durch die er lief aber auch nicht sonderbar auf. Er schien hierher zu gehören. Erleichtert gluckste er auf, als er den Vogel auf einem Stein am Wegesrand sitzen sah.
“Zum Glück! Warte, warte mein Freund.” Er kramte einen Zettel aus einer seiner Taschen und eine bunte Schreibfeder aus einer anderen. Hastig schrieb er ein paar Zeilen auf den Zettel und faltete ihn zusammen. “Hier, bring das zu Ihr. Es eilt!“ Der Vogel nahm den Zettel in seinen Schnabel und flog los.
Erleichtert lachte Sebald kurz auf, schaute dann aber wieder ernst. Er lehnte sich an einen der großen leuchtenden Steine am Wegesrand und schaute in die Richtung aus der er gekommen war. Hoffentlich ist es nicht zu spät, dachte er...